Berichte Aktive - Neues Projekt 1

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Berichte Aktive und Allgemein
7 Auszeichnungen für den SKMH am Abschieds Herbstschwingertag von Reto Nötzli

Selbst der Himmel weinte zu Nötzlis Abschied
Der diesjährige Herbstschwingertag in Siebnen bot den rund 2200 Zuschauern viele emotionale Momente. Der Zuger Marcel Bieri durfte sich als strahlender Sieger über Muni Soldan freuen und der würdig zelebrierte Abschied von Reto Nötzli, sorgte bei vielen für Hühnerhautstimmung.

Seit 2006 der Wangner Benno Züger OK Präsident vom Herbstsschwingertag in Siebnen wurde, kannte der vom Schwingklub March-Höfe organisierte Grossanlass keine Wetterprobleme mehr. Regentropfen waren in den letzten Jahren beim grössten Rangschwingfest im Kanton Schwyz absolute Rarität. Man durfte getrost sagen, dass in den letzten Jahren bei den Schwingern an der Arbeit mehr Schweiss geflossen ist, als Regen gefallen. Ob es am vorbildlichen Lebenswandel des OKP`s liegt, oder ob Züger als Landwirt einen besonders guten Draht zum Wettergott hat, bleibt offen. Doch diesmal öffnete Petrus schon früh seine Schleusen. Zweimal schüttete es ergiebig, es schien das Petrus zum Abschied Nötzlis ebenfalls zu weinen begann. Doch Schönwetter OKP Züger hielt mit aller Kraft dagegen, so dass es in den entscheidenden Momenten zuletzt trocken blieb.

Nötzli zum Abschluss im Schlussgang
Unter den 150 angetretenen Schwingern waren die vier Eidgenossen Stefan Burkhalter, Marcel Bieri, Patrick Räbmatter und der einheimische Reto Nötzli die heissesten Siegesanwärter. Die Einteilung entschied sich vorerst gegen Direktbegegnungen der Favoriten, um die Spannung um den Sieg so lange wie möglich offen zu halten. Dies erwies sich als richtiger Schachzug, denn die Favoriten hatten alle Hände voll zu tun, um die vielen überraschenden Mittelschwinger im Zaum zu halten. Nach vier Gängen lagen Nötzli, Burkhalter und Bieri gleichauf, dicht gefolgt vom Siebner Joel Kessler, der völlig überraschend den Aargauer Räbmatter aus dem Rennen warf. Im fünften Gang folgte der erwartete Showdown. Reto Nötzli besiegte Stefan Burkhalter und stand an seinem letzten Fest nochmals im Schlussgang. Sein Gegner wurde Marcel Bieri, der nach zähem Kampf den Urner Andy Murer besiegte. Der Schlussgang war dann eine lebhafte Angelegenheit, mit leichten Vorteilen für den Zuger. Und nach knapp fünf Minuten fiel die Entscheidung, als Bieri den Höfner zu Boden brachte und dort vervollständigte. Somit durfte sich der in Bäch als Primarlehrer tätige Zuger zum ersten Mal in Siebnen als Sieger ausrufen lassen.

Eine Ära geht zu Ende
Gleich nach dem Schlussgang von Reto Nötzli gegen Bieri gab es dann keine Zurückhaltung mehr. Der Applaus der Zuschauer wollte kaum mehr aufhören. Klubpräsident Reto Kümin verlas eine Laudatio dazu, was Nötzli so alles geleistet hat in all den Jahren. Als der sympathische Höfner dann, mit Tränen in den Augen zur Tat schritt und die Schwinghosen an den selbst eingeschlagenen Nagel hängte, standen alle bereit zum Spalier. Bruder Bruno Nötzli, SKMH technischer Leiter Kilian Hasler und viele langjährige Klub- und Wegbegleiter Nötzlis. Und als Krönung wurde der Höfner mit einem altertümlichen Einachser mit lüpfiger Ländlermusik als Ehrenrunde um den Festplatz chauffiert. Nachdem sein jüngerer Bruder Bruno bereits vor drei Jahren seine Schwingerlaufbahn beendete, geht mit dem Rücktritt von Reto nun die erfolgreiche Ära Nötzli definitiv zu Ende. Zusammen erreichten die beiden Brüder aus Pfäffikon zwei eidgenössische Kränze, drei Kranzfestsiege und 84 Kränze.

SKMH mit guten Leistungen
Neben Reto Nötzli erkämpften sich sechs Schwinger des gastgebenden SKMH die Auszeichnung. Eine tolle Leistung lieferte einmal mehr Joel Kessler ab. Der Märchler stellte zu Beginn gegen Michael Bernold und holte sich danach fünf blanke Zehner am Stück. Herausragend war wie Kessler im vierten den Eidgenossen Räbmatter mit einem satten Hüfter auf den Rücken beförderte und im letzten Gang das grosse Zuger Jungtalent Luca Müller bezwang. Nach dieser feinen Leistung durfte Kessler voller Stolz als Zweitplatzierter das Rind Britta in Empfang nehmen. Das Kalb Petra blieb ebenfalls in der Ausserschwyz und ging an den drittplatzierten Reto Nötzli. Ueli Hegner aus Siebnen zeigte einen weiteren starken Wettkampf, mit vier Siegen, einem Remis und einer Niederlage belegte der Märchler den sechsten Rang. Einen Rang dahinter klassierte sich der Tuggner Alex Huber ungeschlagen mit drei Siegen und drei Remis. Mit drei Siegen, zwei Remis und einer Niederlage holte sich Benjamin Züger aus Wangen die Auszeichnung im zehnten Rang. Und nur leicht dahinter erkämpften sich Alexander Schnellmann Schübelbach und Damian Ulrich aus Galgenen die Auszeichnung mit je drei Siegen und drei Niederlagen.
HRU  
Ein ganz «Böser» tritt ab

 
Der 33jährige Reto Nötzli aus Pfäffikon wird am kommenden Herbstschwingertag Siebnen zum letzten Mal als Aktiver in die Hosen steigen. Der Höfner Eidgenosse darf auf eine erfüllte und erfolgreiche Karriere mit vielen Höhen und Tiefen zurückblicken.
 
Als vor Jahren Reto und Bruno Nötzli zum ersten Mal im Schwingkeller Pfäffikon erschienen, ahnte noch niemand, welch grosse Wellen die Brüder einmal für den Schwingklub March-Höfe schlagen würden. Jungschwingerleiter Martin Ulrich erkannte schnell, welch riesiges Talent in den beiden Knirpsen steckte. Doch Ulrich blieb besonnen, schon zu oft sah er talentierte junge Kämpfer kommen und wieder gehen. Ruhig, anständig und bescheiden führte Ulrich die Jünglinge in die Geheimnisse des Schwingens ein und lebte ihnen damit Werte vor, die beide Nötzlis während ihrer ganzen Zeit als Schwinger stets verkörperten. Reto Nötzli hatte sich mit viel Ehrgeiz mit Haut und Haaren dem Schwingsport verschrieben. Schnell hatte Reto Erfolg und zog etliche Male als Festsieger ab. Mit dem Kategoriensieg am eidgenössischen Nachwuchsschwingertag 2006 in Interlaken bescherte sich Nötzli einen krönenden Abschluss über seine Jungschwingerzeit.

 
Wichtige Lehrzeit bei den Aktiven
 
Der Übertritt zu den Aktiven verlangte auch dem talentierten Reto Nötzli einiges ab. Der 16jährige Bursche musste mit der Lehre als Zimmermann, intensiviertem Training bei den Aktiven, sowie seiner zweiten grossen Leidenschaft, der Ländlermusik, zuerst zurechtkommen. Doch Reto zeigte dabei viel Disziplin und der Wille alles gewissenhaft unter einen Hut zu bringen war vorhanden. Zudem durfte er auf ein intaktes Umfeld zählen. Die Eltern Frieda und Bruno sen. standen ihm mit Rat und Tat beiseite und im ehemaligen Kranzschwinger Ernst Föllmi fand Reto einen Trainer, der ihn von nun an die ganze Zeit begleitete und förderte. So dauerte es nicht allzu lange bis der Höfner als 18jähriger am Schwyzer 2008 in Küssnacht seinen ersten Kranzgewinn erreichte. Schnell häuften sich die Erfolge und am ESAF 2010 in Frauenfeld trumpfte Nötzli zum ersten Mal auch national gross auf. Am Samstagabend befand sich der Höfner nach drei Siegen und der Niederlage gegen den späteren König Kilian Wenger mitten in der Spitzengruppe. Am Sonntag jedoch riss der Faden und der Traum vom ersten eidgenössischen Kranz musste warten. Doch Reto hatte Lunte gerochen und von nun an waren Spitzenplätze von ihm Regelmässigkeit. Auch von den ersten zwischenzeitlichen Verletzungen liess sich der Aufstieg Nötzlis nicht mehr stoppen.

 
Sternstunde Burgdorf
 
Am ESAF 2013 in Burgdorf war es dann soweit. Reto Nötzli startete mit drei Siegen am Stück sogar noch besser als in Frauenfeld. Im absoluten Spitzenkampf verlor er erst kurz vor Schluss nach harter Gegenwehr gegen den späteren König Mathias Sempach. Diesmal aber brach der Turnerschwinger am Sonntag nicht ein, im Gegenteil. Nach dem Sieg gegen Willi Graber war Reto bereits nach sieben Gängen kranzsicher. Da schmerzte die Niederlage um einen absoluten Spitzenplatz gegen Mathias Siegenthaler nicht sonderlich. Da sich sein Bruder Bruno ebenfalls unter die Kranzgewinner reihen konnte, war der Erfolg für die Nötzlis perfekt. Diesen Schwung nahm Reto mit in die nächste Saison und gewann am Innerschweizer 2014 in Cham nach Schlussgangerfolg gegen den aufstrebenden Pirmin Reichmuth sein erstes Kranzfest. Auf die schönen Momente folgte aber auch ein schwerer Dämpfer. Reto verletzte sich wieder schlimm am Knie. Damit hatte er schwer zu kämpfen und dachte ernsthaft über einen frühen Rücktritt nach. Doch zum Glück kam es anders.

 
Regelmässig stark, aber auch mit Pech
 
Es brauchte eine gewisse Zeit um sich von diesem Verletzungsschock zu erholen, doch bereits 2017 zeigte sich Nötzli wieder richtig stark und lieferte eine tolle Saison ab. Sieg am Südwestschweizer in Kerzers im Rang 1b, zusammen mit Bernhard Kämpf. Und am Unspunnenfest schlug Reto wieder zu. Nach dem Sieg gegen König Mathias Sempach, hatte Nötzli sogar Chancen auf den Schlussgang, unterlag aber in einem dramatischen Gefecht Michael Bless. Am Schluss resultierte der feine fünfte Rang für den Höfner Chauffeur. Bei all den tollen Erfolgen stellt sich automatisch die Frage nach weiteren eidgenössischen Kränzen. Solche gab es leider keine mehr zu verzeichnen. Es war wie verhext. Ob in Estavayer le Lac 2016, Zug 2019 oder Pratteln 2022, es war immer das gleiche Bild. Nach tollen Saisonleistungen war am wichtigsten Fest jeweils der Wurm drin. Mit den Teilnahmen an den Kilchberger Schwinget 2014 und 2021 konnte sich Nötzli zweimal für den wohl härtesten Wettkampf im Schwingen qualifizieren, wobei er 2014 dem Titelverteidiger Christian Stucki ein achtbares Remis abtrotzte.

 
Imposante Erfolgsbilanz
 
Gesamthaft erreichte Reto Nötzli 54 Kränze. Der eidgenössische Kranz von Burgdorf überstrahlt alles, doch der Turnerschwinger erkämpfte sich weitere 12 von Teilverbandsfesten, (ISAF 10, NWS 1, SWS 1), 12 von Bergfesten (Stoos 6, Rigi 2, Schwarzsee 2, Weissenstein 1, Schwägalp 1), sowie 29 Kantonalkränze (SZ 12, ZG 5, OW/NW 3, UR 2, GL 2, LU 1, SG 1, BS 1, ZH 1, TI 1). Besondere Highlights sind die beiden Kranzfestsiege am ISAF 2014 und am Südwestschweizer 2017. Fünfmal belegte der stets gutgelaunte Höfner an Kranzfesten je einen zweiten und dritten Rang. Dazu gesellten sich 2022 die beiden Schlussgangteilnahmen am Schwyzer Muotathal und ISAF Ennetbürgen. Auch an Rangfesten war Nötzli erfolgreich und gewann in seiner Laufbahn deren 13. Von diesen werden ihm sicher die Siege auf dem Ricken 2014, am Frühjahrsschwinget Pfäffikon 2015, Herbstschwingertag Siebnen 2013, 2014, 2016 und am Allwegschwinget 2016, den er zusammen mit Bruder Bruno teilen durfte, besonders in Erinnerung bleiben. Somit endet eine beeindruckende Sportlerkarriere, die wahrlich regelmässig gespickt wurde mit Höhen und Tiefen. So eine Laufbahn widerspiegelt eigentlich das wahre Leben, wo es auch oftmals ein Auf und Ab gibt. Für dieses Leben nach dem Aktivsport wünschen wir dem sympathischen Höfner alles Gute und das er jetzt mehr Zeit im Kreise seiner jungen Familie verbringen kann. Und wer weiss, vielleicht findet Reto ja auch mal Zeit um in irgendeiner Funktion seinem geliebten Schwingsport erhalten zu bleiben.
 
HRU
 
 
 
 
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